[LodlanD] Kapitel 1 Einleitung

 Musik: Yoko Kanno - Born Stubborn

Der Innenlautsprecher gab ein statisches Knacken von sich, und eine Computerstimme ertönte, deren Laszivität den Grad der Peinlichkeit schon bei weitem überschritten hatte: „Unheimlich große Bodenwelle drei Kilometer voraus, mein Hengst.“

„Die beste Anschaffung meines Lebens.“

Luc ließ sich tiefer in den Pilotensitz sinken, schwang die Beine über die Hauptsteuerkonsole seines kleinen Bootes, und öffnete zischend eine neue Dose Bier. Noch knapp eine Stunde fahrt und diese Odyssee der Langeweile hatte endlich ein Ende. Er ließ seinen Blick über das verkrümelte Armaturenbrett hinüber zur Cockpitscheibe wandern, und starrte gleichmütig in das tiefe Blau des Meeres. In dreihundert Metern tiefe konnten jedoch selbst die stärksten Scheinwerfer nur einen begrenzten Sichtradius schaffen, sodass gelegentlich vorbeizischende Fische oder entfernte Schatten von Riffen die einzige, recht unspektakuläre, optische Abwechslung stellten. Irgendwo knapp einen halben Kilometer weiter Backbord von seiner Position, wie ihm der steig pingende Sonar verriet, entfernt dümpelte auch der Frachter aus dem Bund Freier Städte herum, zu dessen Geleitschutz er sich verpflichtet hatte. Ein kleiner Freihändler wie jener konnte sich keinen Platz in den großen und schwerbewachten Karawanen, die von der Handelsmetropole Lod ausgingen leisten, und griff bei Fahrten durch unsichere Gewässer gern auf die um einiges günstigeren Dienste freischaffender Unternehmer wie Luc zurück. Dabei stellte sich die Frage was nun lächerlicher war, die Abschreckungskraft der winzigen M1 Torpedorohre an Bord von Lucs kleinem Schiff, oder die Vorstellung einer bis an die zähne bewaffneten Piratenbande, die ihren Hals riskieren um einen Frachter mit zwanzig Tonnen Glutamat an Bord zu kapern. Ihm konnte es ja auch recht egal sein, der Auftrag war ein Spaziergang und die Bezahlung reichte immerhin, um nach den anfallenden Treibstoffkosten ein wenig Gewinn abzuwerfen. Außerdem verfügte die Epée de la Mer, wie Luc die alte Déesse Klasse arbiträischer Bauart getauft hatte, neben ihrer Bewaffnung noch über einen kleinen Passagier- und Frachtraum, mit denen sich auf derselben Route noch der ein oder andere Nebenverdienst tätigen ließ. Einer dieser Verdienste machte sich soeben bemerkbar, als das Fiepsen der Mikrowelle aus dem hinteren Schiffsteil tönte. Einige schlurfende Schritte erklangen dann, gefolgt von einem stetigen, eher halbherzigem schlürfen. Sein Fahrgast war wirklich nicht von der gesprächigen Sorte. Kurz vor seiner Abreise aus Lod trat der Kerl, ein recht komischer Kauz von hagerer Gestalt mit zerzausten Haaren, an den Andockplatz von Lucs Schiff, drückte ihm ein Bündel Scheine im Wert von 5.000 Lex in die Hand mit den Worten: „Bringen sie mich an die Grenze zum BFS, und keine weiteren Fragen“. Bei einem solch großzügigen Obolus hatte der freischaffende Piratenjäger gewiss keine Einwände. Eben dieser Kauz verzehrte gerade eine Instant Muschelsuppe Marke „Gut &Günstig“, denn für Lucs Passagiere nur das beste, und hatte ansonsten während der mittlerweile achtzehn Stunden andauernden Fahrt keinen weiteren Ton von sich gegeben. Was auch immer der Typ im Bund Fröhlicher Sklaven, wie der BFS gerne im freiheitsliebenden Arbiträa genannt wurde, zu schaffen hatte, seine großzügige Spende an Gardien Entreprises würde schon einem guten Zweck zugeführt werden. Damit ließ Luc seinen Blick zu einer Autogrammkarte von Sandra Bechmer schweifen, die zwischen einer Verstrebung des Cockpitfensters klemmte. Die blonde zwanzigjährige war Spitzenpilotin von Nova Curra, einem Paix Rennstall der sich aufgrund mangelnder Großerfolge nur einer kleinen Fangemeinde erfreute. Doch für Luc konnte nichts „undergroundig“, wie die Scientianer es nannten, genug sein, und ganz davon abgesehen war die Rennfahrerin ein echt heißer Aal. Mit dem neu verdienten Geld wäre sicherlich ein Ticket für das große 24 Stunden Rennen von Port Principal drin, und vielleicht sogar genug für eine dieser neuen Pillen aus Scientia, die dafür sorgten das man während der gesamten 24 Stunden an Spaß und Feiern, aber gewiss nicht an Erschöpfung und Müdigkeit dachte. Vielleicht könne man die adrette Paix Fahrerin nach dem Rennen sogar auf einen...

„Ist es normal das dieses Teil schon seit ’ner Minute piept?“

 Luc schreckte aus seinen Gedanken auf, als er urplötzlich die kratzige Stimme seines Fahrgastes hinter sich vernahm. Dann hörte auch er das schrille Piepen des Kollisionsalarms, er musste es in seiner Tagträumerei vollkommen verdrängt haben. Doch warum Kollisionsalarm? Richtig! Die Bodenwelle vor der ihn der Bordcomputer gewarnt hatte. Vielleicht sollte er das nächste mal auch auf die Aussage dessen achten, was die für teures Geld modifizierte Stimme des Navigationssystem jedes Mal aus den Lautsprechern stöhnte. Luc packte hastig an die Kontrollen für die Tauchzellen, um das Schiff steigen zu lassen, doch gerade als der Höhenanzeiger langsam zu klettern begann wurden seine Ohren vom kreischen der am Gestein schrammenden Außenhülle betäubt...

30.7.07 17:42

bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Rüdiger (6.8.07 17:52)
Extrem cool! Mehr davon :P


Nils (6.8.07 17:57)
Klingt zwar wie ein randallismybishi81 Commie, aber danke das du dran gedacht hast, war doch nicht so schwer :-P


Holger (9.8.07 00:55)
Hey... Moment mal...
Randall IS my Bishi...
Is das hier Diskriminierung? Ich ruf Tim an und wir kommen Dich vermöbeln... >>

Ach ja: Immer noch n cooler Einleitungstext. Hat echt Spaß gemacht...


Rüdiger (7.10.07 19:36)
öhm... wan gehts eigendlich weiter?


Rüdiger (7.10.07 19:36)
argh! vertippt

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